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Prof. Dr. Birgit Sawitzki stellte aktuelle Arbeiten zur Identifikation biologisch definierter Endotypen bei Long COVID-assoziierter ME/CFS vor. Ausgangspunkt ihrer Forschung ist die Beobachtung, dass Long COVID-ME/CFS eine heterogene Erkrankung darstellt, bei der unterschiedliche Krankheitsmechanismen zu ähnlichen klinischen Symptomen führen können. Um behandelbare Untergruppen – sogenannte Endotypen – zu identifizieren und die Grundlage für eine präzisere Patient*innen-Stratifizierung zu schaffen, verfolgt ihr Team einen vergleichenden Ansatz mit mehreren Kohorten. Hierzu gehören eine unselektierte Long-COVID-ME/CFS-Kohorte, eine Kohorte mit erhöhten GPCR-Autoantikörpern und bekannten Respondern bzw. Non-Respondern auf Immunadsorption, Sjögren-Patient*innen als autoimmune Referenzgruppe, akut SARS-CoV-2-infizierte Personen als Modell einer nicht-autoimmunen Entzündungsreaktion sowie gesunde Kontrollen. Mithilfe von Massenzytometrie, Plasma-Proteomik und Machine-Learning-Verfahren identifizierte das Team drei immunologische Endotypen. Zwei dieser Endotypen zeichneten sich durch erhöhte Konzentrationen löslicher Mediatoren im Plasma aus, die mit B-Zell-Aktivierung und der Kommunikation zwischen T- und B-Zellen assoziiert sind. Zur weiteren Einordnung dieser Immunprofile entwickelte das Team einen Autoimmunitätsscore auf Basis löslicher Mediatoren, der Sjögren-Syndrom von akuter SARS-CoV-2-Infektion unterscheiden kann. Die beiden Endotypen mit hohen und mittleren Konzentrationen der Mediatoren zeigten erhöhte Autoimmunitäts-Scores, während sich eine dritte Patient*innengruppe durch niedrige Autoimmunitäts-Scores auszeichnete. Dieser Endotyp fand sich ausschließlich innerhalb der unselektierten Long-COVID-ME/CFS-Kohorte. Obwohl diese Patient*innen nicht die für die beiden anderen Gruppen typischen Signaturen der T-B-Zell-Kommunikation aufwiesen, zeigten sie dennoch Hinweise auf eine eigenständige immunologische Dysregulation, was für unterschiedliche zugrunde liegende Krankheitsmechanismen spricht. Ein besonderer Schwerpunkt des Vortrags lag auf der Unterscheidung zweier B-Zell-Aktivierungswege. Während Patient*innen mit Ansprechen auf Immunadsorption Merkmale einer keimzentrumsabhängigen Immunantwort zeigten, waren Non-Responder häufiger durch extrafollikuläre B-Zell-Aktivierung und zusätzliche Aktivierung des angeborenen Immunsystems charakterisiert. Diese Unterschiede deuten darauf hin, dass sich autoimmune Krankheitsmechanismen bei Long-COVID-ME/CFS nicht nur im Ausmaß, sondern auch qualitativ unterscheiden können. Zur Verbesserung der klinischen Anwendbarkeit setzte das Team Machine-Learning-Methoden ein, um minimale Marker-Sets zu identifizieren, die eine Zuordnung von Patient*innen zu den verschiedenen Endotypen sowie eine Stratifizierung hinsichtlich des Ansprechens auf Immunadsorption ermöglichen könnten. Sawitzki schloss mit dem Fazit, dass Long-COVID-ME/CFS mindestens drei biologisch unterscheidbare Endotypen umfasst. Die vergleichende Analyse einer Autoantikörper-angereicherten und einer unselektierten Kohorte ermögliche es, gemeinsame von endotypspezifischen Krankheitsmechanismen zu unterscheiden und damit die Grundlage für biomarkerbasierte Patient*innenstratifizierung und zukünftige personalisierte Therapieansätze zu schaffen.